30 Jahre RAA in Sachsen
26.11.2021

30 Jahre RAA in Sachsen

Drei Jahrzehnte können wir auf Demokratiearbeit in Sachsen zurückblicken. Drei Jahrzehnte mit lokalen, landesweiten und internationalen Projekten, Workshops, Schultagen, Veranstaltungen, Diskussionen sowie Beratungs- und Begleitungsprozessen. Drei Jahrzehnte später sind die RAA in Leipzig, Hoyerswerda-Ostsachsen sowie die sachsensweite RAA aus der sächsischen Zivilgesellschaft nicht mehr wegzudenken. Nicht nur wir sind groß geworden auch die demokratische Kultur im Land hat sich positiv gewandelt, auch wenn es immer wieder Rückschläge gibt und wir manchmal Situationen gegenüberstehen, die wir glaubten überwunden zu haben. Dennoch wir blicken zurück auf 30 tolle Jahre Demokratiearbeit in Sachsen und sehen, dass in Stadt und Land viele tolle Partner und Akteure dazugekommen sind, die mit uns gemeinsam an einem Strang ziehen.

Einblick in die aktuelle Arbeit der RAAs in Sachsen

Über das Jahr 2022 möchten wir Ihnen einen Einblick in die laufende Arbeit unserer RAAs in Sachsen geben. Dafür werden wir jeden Monat ein Projekt aus der laufenden Arbeit kurz präsentieren und uns jeweils abwechseln. Folgen Sie einfach den Links zu unseren Projekten und lassen sich in die Arbeit für eine demokratische, offene, gleichberechtigte und vielfältige Gesellschaft mitnehmen.

Januar: "Über Generationen hinweg - aktiv lebensbegleitend lernen" - RAA Leipzig e.V.

Februar: Webdokumentation "Gegen uns" - RAA Sachsen e.V.

März: GIHK Hoyerswerda. Der Beitrag der RAA für nachhaltige soziale Stadtentwicklung - RAA Hoyerswerda/Ostsachsen e.V.

April: HEROES - RAA Leipzig e.V.

Mai: Das Mehrgenerationenhaus Bernsdorf - RAA Sachsen e.V.

Juni: Die Koordinierungsstelle Bildung - RAA Hoyerswerda/Ostsachsen e.V.

Juli: RAAinbow Beratung & Begleitung für LSBTIQ*- Geflüchtete - RAA Leipzig e.V.

August: Peer Leadership Sachsen - Training für interkulturelle Kompetenz und Demokratie - RAA Sachsen e.V.

September: „Starkes Hoyerswerda – Integration mit Perspektive“ (HIP) - RAA Hoyerswerda/Ostachsen e.V.

 

Woher der Name kommt 

Wir entstanden in Sachsen kurz nach der politischen Wende, zunächst als Teil der RAA Neue Länder später nach und nach als eigenständige Vereine. Und weil immer wieder alle nachfragen woher unser Name kommt, hier die Kurzversion: Das Kürzel RAA steht je nach Bundesland und Kommune für „Regionale Arbeitsstellen“ und das zweite A beschreibt jeweils die thematischen Schwerpunkte. Bereits 1980 entstand in Nordrhein-Westfalen eine RAA, dort unter dem Namen „Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen“. Damit wäre auch das zweite „A“ im Kürzel erklärt. Bereits zuvor gab das Projekt „Weinheim“, das mit Unterstützung der Firma Freudenberg 1979 als Prototyp und Modell für künftige regionale Agenturen/ regionale Arbeitsstellen entwickelt wurde. Ab 1991 wurde ein Netz von RAA in den Neuen Bundesländern aufgebaut, das von Rostock bis Erfurt reichte und heute nach wie vor in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern sowie Sachsen existiert. Alle RAA sind in einer Bundesarbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen.

Unsere Themen

Die drei eigenständigen RAA in Sachsen haben unterschiedliche thematische Schwerpunkte und eint jedoch, dass wir Demokratie als einen Prozess verstehen an dem man jeden Tag gemeinsam gearbeitet muss. Die Leipziger Regionale Arbeitsstelle beispielsweise sieht seinen Fokus auf die Stadt Leipzig sowie auf die Themen interkulturelle Arbeit, Jugendhilfe und Schule, die RAA Hoyerswerda-Ostsachsen konzentriert sich auf die im Namen genannte Region und beschäftigt sich mit den Bereichen Demokratie, Bildung und Lebensperspektiven. Die RAA Sachsen wiederrum hat Projekte mit einem landesweiten Anspruch und konzentriert sich auf die Themen Bildung, Integration und Demokratie.

Schwerpunkte der Arbeit der RAA in Sachsen – aber auch bundesweit - sind die Herstellung von mehr Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche, und die Förderung einer demokratischen Kultur in Schule und Gesellschaft sowie die Unterstützung von Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Unsere Struktur und unsere Projekte werden dabei von Bund, dem Land, den Kommunen, Spenden sowie durch die Freudenberg Stiftung finanziert. Wir arbeiten in ressort- und organisationsübergreifende Kooperationen auf allen Ebenen von Schule, Jugendhilfe und Sozialem mit anderen Akteuren zusammen und wir sind der Überzeugung, dass die Herausforderungen nur mit Expert_innen verschiedener Professionen im Team gemeinsam angegangen werden können.

Unsere Geschichte

Geschichtlich gesehen gründete sich die erste RAA in Hoyerswerda, als Verein der sich für Demokratie und gegen Rechtsextremismus einsetzt und vor allem mit Schulen und Jugendlichen als Zielgruppe arbeiten wollte. In jener Zeit wurden Migrant*innen, nicht rechte Jugendliche und alle die nichts ins rechte Weltbild der Angreifer*innen passten auf offener Straße gejagt, Menschen wurden ermordet, und wer von Nazis im Osten sprach wurde schnelle als ein Nestbeschmutzer hingestellt. Dabei spielte auch das Pogrom von Hoyerswerda im Jahr 1991 eine entscheidende Rolle, denn die Gründung der ersten RAA in Sachsen hing mit diesem Ereignis zusammen und der Überzeugung, dass dem Rassismus der frühen 1990er Jahre sowie der grassierenden rechten Gewalt eine starke Zivilgesellschaft gegenübergestellt werden muss. Eine Zivilgesellschaft die sich selbst organisiert, gehört wird und vor Ort gemeinsam mit Akteuren aus der Verwaltung sowie der Zivilgesellschaft Veränderungsprozesse anstößt. Um gemeinsam diese Ziele zu erreichen arbeiten mittlerweile in Hoyerswerda 23 Mitarbeiter*innen in 20 Projekten, in Leipzig 48 Menschen in 12 Projekten und bei der RAA Sachsen 36 Mitarbeiter*innen in 15 Projekten.  

Ausblick

Wenn wir 30 Jahre RAAs in Sachsen feiern heißt das, dass wir auf 30 Jahre konsequente Demokratiebildung zurück gucken. Nach vorn gerichtet sehen wir immer noch viele Baustellen: Wie wird Sachsen eine moderne und offene Migrationsgesellschaft, wie können wir gesellschaftliche Spaltung in der Stadt und auf dem Land bekämpfen und wie kommen wir gegen den nach wie vor starken Rassismus und Antisemitismus in der Gesellschaft an.  Auch wenn das alles große Themen sind, freuen wir uns auf viele weitere gemeinsame Jahre mit unseren Kooperationspartner*innen und all denjenigen neuen alten Mitstreiter*innen die mit uns gemeinsam um ein besseres, demokratischeres sowie offeneres Sachsen streiten sowie tagtäglich daran arbeiten wollen.